Montag, 25. März 2013
25|3|13 - Watership Down
Tatort: Die Waschmaschine. Von der Nacht vom 24.03.2013 auf den 25.03.2013 ereignete sich aus noch ungeklärten Gründen ein Zusammenbruch der Waschtätigkeiten, die den Schleudergang verboten. Als Frau Julia X. [Name geändert, Anm.d.R.] gegen 7:30 Uhr des folgenden Tages die Tat bemerkte, war es für rettende Hilfsmaßnahmen bereits zu spät. Unter ihrem Wäscheständer breiteten sich in den folgenden Minuten große Wasserlachen, die aufgrund des arbeitsbedingten Zeitdrucks nur behilfsmäßig entfernt werden konnten. Auch gegen 18 Uhr des 25.03 hatte die Kleidung noch keinen erkennbaren Trocknungsgrad erreicht. Kleidungsknappheit nicht auszuschließen.

Ich kann leider wenig über meinen Arbeitstag berichten, der nicht sehr ereignisreich war. Da unser Arbeits-Newsletter heillos cool ist, wirbt er auch für nennenswerte Attraktionen Londons, sodass ich wohl demnächst noch die kostenlose Ausstellung "Venice Takeaway: Ideas to Change British Architecture" des Royal Institute of British Architects besuchen werde, um die Güte des Newsletters zu testen. Updates folgen!
BTW: Direkt neben meinem Haus gibt es eine Jungsschule (die sich klischeehaft auf Mathe und Informatiok spezialisiert, pfui!), die Schulfarben sind Gelb und Schwarz. Nicht nur, dass alle Kinder aussehen wie Hufflepuffs mit ihren gestreiften Krawatten und schwarzen Blazern, nein, täglich kommt mir Harry Potters Ebenbild entgegen, der nur die falschen Hausfarben trägt :D dachte, diese Anekdote teile ich mal mit Euch. Und jetzt gehe ich mein Zimmer entfluten ><



Sonntag, 24. März 2013
24|3|13 - Freudian Slippers
Okay, streift Eure "Freudian Slippers" über und packt die Kameras weg, heute gehts in das Sigi-Freud-Museum, wunderschön gelegen an der Haltestelle Finchley Road. Die gesamte Straße besteht aus hübschen, freistehenden, großen Häusern und Freuds letzte Lebensstätte ist so schön, der Psychoanalytiker beschrieb sie als "zu hübch" für ihn und seine Familie - so angetan war er. Auf zwei Etagen und für einen vertretbaren Studentenpreis kann man sich die berühmt-berüchtigte Couch ansehen, passende psychologische Kunstausstellungen, Videos aus Freuds Leben und natürlich auch Portraits von Dalí. Ich halte persönlich nicht sooo viel von Freuds Theorien heutzutage, war dann aber sehr überrascht, dass Freud und ich doch einige Gemeinsamkeiten haben: Habe ein Zitat gelesen, aus dem hervorgeht, dass Freud auch schon als Jugendlicher davon träumte, mal nach London zu ziehen und freute mich diebisch über seine Vorliebe für Shakespeare, Goethe, Schiller & ägyptische Artefakte gefreut. Go blame your parents.



Spontan dann das National Army Museum beehrt - Jungs, das Imperial War Museum mag geschlossen haben, aber das NAM wär auch was für Euch. Besonders klasse sind die vielen lebensgroßen kostümierten Puppen, die aufwendig in begehbaren Schützengräben, Sümpfen und Schlachtfeldern aufgebaut wurden. Ich schwörs Euch, jedes Mal wieder hab ich mich erschreckt, wenn ich in einen Pistolenlauf blickte, und noch schlimmer ist nur, wenn sich zwischen den Figuren echte Menschen bewegen und sich nicht so gut von denen unterscheiden lassen. Interessiere mich zwar wenig fürs Kriegsgeschehen, doch das Museum war außergewöhnlich gut gemacht. Cool: Das Skelett von Napoleons Pferd Marengo ist dort zu bewundern. Besonders beeindruckt hat mich die Ausstellung zu War House - Buch, Film, Theaterstück und historischer Hintergrund. Gerade wird das Stück mit mechanischen Pferden im Nationaltheater in London aufgeführt und ist visuell schon ein echter Hingucker. Auch die Ausstellung hatte echt was.

Letztlich noch über die Saatchi Gallery gestolpert, die gleich in der Nähe liegt und mit großem Park und Endlossäulen beeindruckt. Sie beherbergt moderne Kunst, die teilweise sehr radikal ist und die ich nicht immer nachvollziehen konnte. Neben einem Gruselkabinett voller "Bunte Aliens treffen auf Saw", Tattoo-Fotografieren und uneindeutigen Installationen finden sich auch Fotostrecken nackter Russen und meterhohe Stadtkunstwerke auf Pappe. Beeindruckend war für mich das oberste Stockwerk, wo sie drei mit einer Axt zerstörte Bilder zeigen. Nach dem ersten Ausstellungstag hat der selbstkritische Künstler die eigenen Bilder attackiert und ist geflohen, von ihm fehlt bisher jede Spur. Nach Rat eines Kunstkritikers hat das Museum das Glas und die Axt nicht aufgeräumt, sondern eine Absperrung drumgemacht. Es ist wirklich ein faszinierendes Stück Kunst und wäre ganz anders, wenn er es absichtlich getan hätte. Das Museum hat dafür nicht den Segen des Künstlers einholen können, da er bisher nicht zu kontaktieren war. Sehr ulkig.

Wie könnte ich einen so regen und bitterkalten Tag perfekt abrunden? Mt einer Fahrt zum Starbucks am British Museum, wo mein Mitbewohner arbeitet. Die heiße Schokolade hat er mir umsonst organisiert - hach, WG-Leben kann so schön sein ;)



Samstag, 23. März 2013
23|3|2013 - Towers & Tragedies
Oder: Eine Hochzeit und x Todesfälle

Oh, the weather outside is frightful *summ* Schnee, Schnee & noch mehr Schnee, den ganzen Tag. Irgendwie romantisch, irgendwie grausam (weil sooo kalt). Hilft auch nicht, dass meine Tube-Station über das Wochenende geschlossen bleibt und mein Weg in die Stadt 10 Minuten Fußmarsch, 10 Minuten Busfahrt nach Walthamstow Central und dann noch x Minuten von der Endtstation in die Stadt umfasste. Ich dachte ja, eine Stunde anstehen würde reichen, um einen Day Seat für Macbeth zu bekommen, doch als ich ankam, standen da schon 30 Leute und ich habs nicht mal bis unters Vordach geschafft. Mir also 60 Minuten ALLES abgefroren, um dann erfolglos weggeschickt zu werden... unschön. Eine Tragödie, diese Tragödie... hoffentlich klappt es irgendwann noch mit mir und Shakespeares Schottischem Stück. (Falls Ihr nicht solche Theaterfreaks seid wie ich: Führt man Macbeth auf, ist es Sitte, dass das Ensemble und alle Beteiligten das Stück nicht beim Namen nennen, sondern über das "Schottische Stück" reden, da der Name angeblich Unglück für die Produktion bringe.)

Den Rest des Tages im Tower of London verbracht, für den man unbedingt einen ganzen Tag einplanen sollte - das hätte ich vorher nicht vermutet und war auch sehr überrascht, wie viel anders die Welt innerhalb der Mauern von meinem hochmodernen Arbeitsplatz gleich nebenan doch ist. Wir hatten einen absolut genialen und komödiantisch talentierten Tourguide der Yeomen Guards ("Beefeater"), der auch die blutigen und schrecklichen Aspekte der Geschichte des Towers in Lacher verwandeln konnte. Schon schaurig: Ermordete Gläubige, gefolterte Rebellen und geköpfte Königinnen sowie spurlos verschwundene Erben, tote Raben nach Weltkriegsangriff und Opfer der frei herumlaufenden Tiere des früheren Zoos am Tower Hill. Allein die Kapelle hat ihr Fundament sprichwörtlich auf mehreren hundert Leichen gebaut (die alle zur Restauration des Bodens wieder ausgebuddelt und identifiziert werden mussten!) Auch, wenn man für den Eintritt ordentlich zahlen darf (Tipp: Online gebucht habe ich als Studentin "nur" 15 Pfund hingelegt, ansonsten sind es über 20), lohnt es sich total, nicht nur, weil Touren und Eintritt zu allen Museen kostenlos sind. Es ist wirklich für jeden etwas dabei: Schaurige Tudor-Geschichte, luxuriöses Royal-Leben, Jahrhunderte alte Architektur, Rüstungen und Waffen für die Herren der Schöpfung, die Kronjuwelen für uns Damen und die Kinder erfreuen sich an der Geschichte des früheren Zoos, Kids-Aktivitäten wie Schlossgeschichten oder den eingeritzten Nachrichten der unzählbaren Gefangenen. Übrigens führt an den wichtigsten Kronjuwelen ein Laufband vorbei, es ist schon etwas kurios. Ebenfalls Hingucker: Die Tierskulpturen, die auf dem Gelände ,,versteckt" sind und an die (frei herumlaufenden) Affen, Löwen, Eisbären, Elefanten & Co. erinnern, derer man sich früher dort erfreute. Man kann auch sehen, wo Anne Boleyn gefangen gehalten, ermordet und letztendlich begraben wurde - ja, an ihrem Grab, der sehr hübschen Kapelle, kann man sogar heiraten (wie ich heute beobachten durfte) - daher auch der Untertitel "1 Hochzeit und x Todesfälle". Fusilier-Soldaten-Museum? Streckbank? Verkleidete Schauspieler? Alles Teil des Gesamtpakets!



Um Euch die Tower-Kultur etwas näherzubringen, nehmt das hier in Eurer Langzeitgedächtnis auf!:
- Die Burg beherbergt 6 Raben (naja, momentan 8...), weil eine alte Legende besagt, dass der White Tower der Burg und damit das englische Königreich fallen würde, wenn die Raben jemals den Tower verlassen würden. Die zwei Extra-Raben haben sie, um nach einer Koatastrophe wie dem Weltkriegs-Bombenangriff nicht plötzlich ohne Raben dazustehen.
- Guy Fawkes Nursery Rhyme: "Remember, remember /the 5th of November,/ Gunpowder, Treason and plot./ I see no reason why Gunpowder, Treason /should ever be forgot."
- Heinrich VIII Nursery Rhyme über die Schicksale seiner Ehefrauen: "Divorced, Beheaded, Died/, Divorced, beheaded, survived."



Freitag, 22. März 2013
22|3|13 - Making the Guest List
Heute war die Hälfte meiner Kollegen abwesend, daher hatte ich weniger zu tun und konnte etwas Zeit in mein privates Demenz-Projekt stecken, das langsam Form annimmt - nächste Woche ist mein großes Interview, bin schon sehr gespannt! Die Leute hier sind einfach so zuvorkommend und herzlich und allesamt der Meinung, was ich machen würde sei ziemlich großartig ;) Verdammte Briten, warum seid Ihr so liebenswert? Ich hab ab heute doch nur noch mickrige vier Wöchlein auf Eurer schönen Insel! Ja, liebe Leser, es ist Halbzeit und ich habe extremes Herzbluten. Heimlich plane ich, mehr noch als eine baldige Rückkehr, mich an die Tower Bridge zu ketten oder an der nächsten Baustelle mit den Füßen einzementieren zu lassen. Ich geh hier nicht weg, da muss mich meine Familie schon an den Haaren bis nach Deutschland schleifen! :D

"Meine" Rezeptionistin meinte heute zudem, ich gehöre zu den Leuten, die immer fröhlich und nett seien (Ha! Die müsste mich mal unterm Semester kennenlernen!), daher verdiene ich das Prädikat "gorgeous". In meinem ganzen Leben war bestimmt noch niemand dermaßen von mir begeistert (Gott weiß, ich bin es nicht), und bevor ich gehe, muss ich sie um ein Foto bitten. Sie war ganz entzückt, als ich verriet, dass ich schon von ihr berichtet habe. Auch mein Chef reagierte auf meine heutige Arbeit mit dem Ausspruch "Thank you, Julia - you're a star!" und auch, wenn Ihr das alle als Floskeln abtun mögt, ich denke, es kam von Herzen. War es Hugh Laurie, der einmal bei einer Dankesrede sagte "Ich weiß, alle behaupten immer, ihr Team sei großartig und irgendwo da draußen arbeitet jemand mit einer Bande von Lügnern und Betrügern, aber ich bin es nicht" (bzw. so ähnlich)? Falls ja, muss ich ihm Recht geben. Auch, weil er Brite ist. Und aus Oxford stammt. Triple Threat! Your argument is invalid.

Mal wieder Freitag und Food Market (Ente auf Ciabatta-Brot, wer sagt, die verstehen nichts vom Essen in England?), verschenkt wurde neben Chips und Kuchen witzigerweise heute auch mal Zahnpasta (richtig so, bei all dem Gratis-Essen!), aber das Dessert gabs erst gegen Ende des Tages:

Der Chef meines Chefs hat mich für nächste Woche auf die exklusive Gästeliste eines Launch Events in Westminster setzen lassen, dessen Sicherheitscheck 30 Minuten dauert und wo man nur mit schriftlicher Einladung aufschlagen darf. Er dachte sich, ich hätte vielleicht Lust auf ein Shake Hands mit und Voträge von führenden Psychologieprofessoren des Landes, die sich auf Alternsentwicklung, Gerontopsychologie und Neuropsychologie spezialisiert haben. Gütig, wie ich bin, habe ich die Einladung angenommen - also die restliche Zeit gedanklich meinen Kleiderschrank durchsucht und dümmlich meinen Bildschirm angegrinst. Man freut sich darauf, mich - von meinem Chef-des-Chefs großzügig als "my colleague Julia" vorgestellt - kennenzulernen. Die Freude ist ganz meinerseits. Hach, ich muss los und meinen Knicks üben gehen :D

Morgen gehts in den Tower of London, dann gibt es wieder was relevantes zu lesen. Ich wurde nur gestern gebeten, mal wieder was aus dem Praktikum zu erzählen (ja, Mr X, Du bist gemeint & danke für Deine Mail an meine Geschäftsadresse, ich kam mir heut sehr wichtig vor).So long!



Donnerstag, 21. März 2013
21|3|13 - Out of my Comfort Zone
Heute bin ich auf so viele Weisen aus meiner Komfortzone gestolpert, es gehört dokument.
Zunächst einmal war die Küche heute morgen derart widerlich verdreckt, das übersteigt jede studentische Toleranz: Irgendjemand (vermutlich mein neuer Mitbewohner) meinte, er müsste auf und neben den übervollen Mülleimern noch sehr viel mehr Müll stapeln und ich musste mein Geschirr im Badezimmer waschen, weil das Waschbecken verstopft und randvoll mit einer nicht näher definierten braunen Flüssigkeit war. Meine Mail an meine Agentur war erfolglos (O-Ton: Du bist erwachsen, räum doch selbst auf! Wir schicken doch keinen, der das Waschbecken repariert, ha!), aber zum Glück haben meine Mitbewohner heute mal ordentlich aufgeräumt, bis ich heimkam. Trotzdem unangenehm, sich beschweren zu müssen und dann so unhöflich von oben herab behandelt zu werden.

Obwohl wir heute auf der Arbeit besonders viel gelacht haben (es ging so weit, dass meine Kollegen fragten, ob ich mit meinem Chef verheiratet sei, denn wir ärgern uns gern gegenseitig), war es ein etwas schwieriger Tag. Hauptsächlich habe ich das Protokoll eines Teammeetings von Montag zusammengetragen und da ich Montag nur die Hälfte der Akronyme, Namen etc. verstanden habe, dämmerte mir schon vor dem Gespräch mit meinem Chef, dass das nicht das Goldene vom Ei sein würde. Wars dann auch nicht, und auch, wenn es mir nicht peinlich sein sollte, dass ich als Nicht-Muttersprachlerin nicht jede Insider-Abkürzung verstehe, ist es sehr unangenehm, bei der radikalen Korrektur deiner Arbeit zuzusehen. Da hilft es auch nicht, dass sie mir heute offenbart haben, dass sie mich gerne behalten würden :) Auch mein Interview wurde auf nächste Woche verschoben, sodass ich etwas enttäuscht bliebt.
Nach der Arbeit mal wieder an der Liverpool St herumgeirrt und mich schließlich im Touristenzentrum beraten lassen, um 19 Princelet Street nahe den hippen, bunten, leuchtenden Spitalfield Markets zu finden.


Das Immigranten-Museum dort ist ein echter Geheimtipp und das erste seiner Art in Europa. Das historische Grad-II-Gebäude ist so fragil, dass es nur 10 mal jährlich seine Pforten öffnet und wenn man sich nachts in die Warteschlange der jungen Leute einreiht, die auf Einlass warten, fühlt man sich zugleich kulturell gebildet, heillos cool und so, als würde man in einen geheimen Club initiiert werden. Der sehr nette Freiwillige, der Infomaterial verteilte, hat mir am Ende noch extra Blätter mitgegeben und herzlich die Hand geschüttelt, als ich ihm erklärte, ich würde über das Museum bloggen. Es ist wirklich etwas anderes, sehr surreal: Halb viktorianisches Stadthaus ehemaliger Immigranten, halb jüdische Ex-Kirche inklusive Gallerie und Seminarraum. Alte Möbel, Koffer und Projekte mit Künstlern und Schulkindern rufen in dem sehr kalten Gebäude zum Nachdenken auf und man wird gefragt, welche eigenen Wurzel und Wege man hat. Diese Leute haben notgedrungen außerhalb ihrer Komfortzone gelebt und manche, wie ich, gehen nur zu gern dieses Risiko ein.

Ich war wie vor dem Kopf geschlagen - ich hab mir in den letzten 4 Wochen (und auch nicht in den 6 Monaten davor) niemals darüber Gedanken gemacht, dass ich hier Immigrantin bin/wäre, oder, noch schlimmer, dass man mich hier als Fremde nicht wollen würde. Da ich London so liebe, habe ich automatisch angenommen, ich wäre hier einigermaßen willkommen, obwohl das ja gar nicht der Fall sein muss. Erstaunlich, wie man in London ein Gebäude betreten und mit völlig neuen Ansichten herausspazieren kann, jeden Tag fünf Mal, wenn man es darauf anlegt. Es war erleichternd, mal gefragt zu werden, wie ich meine kulturelle Identität bepfinde. Ich bin natürlich von Kopf bis Fuß schrecklich langweilig deutsch und werd es stets bleiben, aber im Herzen bin ich englisch. Das würd ich natürlich niemandem ins Gesicht sagen, denn sicherlich würde mich jeder Londoner dafür verlachen, nach nur zwei Monaten Ansprüche auf diese Nationalität gelten zu machen. Aber in den letzten fünf Jahren habe ich mental schon in dieser Stadt gelebt, und wenn ich zurückgekehrt bin, werde ich den Rest meines Lebens damit fortfahren. Ich liebe London, aber jeden Tag muss ich mit den Unannehmlichkeiten des Fremdseins abfinden: Das hilflose Verirren und Nach-Wörtern-Suchen, das ständige Fremde-Um-Hilfe-Bitten. Bis dahin hatte ich kaum einen Gedanken daran verschwendet, dass ich halb Alien und halb eingefleischte Londonerin bin.

Bitte geht mal hin, wenn sich Euch die einmalige Gelegenheit bietet, und denkt einfach mal darüber nach - ob als Touri oder Einwohner, die Gelegenheit ist so selten und das Museum umsonst.



20|3|13 - Cambridge Calling
Eine Stadt ist klein, wenn man alles zufuß erreicht. Eine Stadt ist sehr klein, wenn man mehr schafft, als man sich vornimmt, und dann immer noch 2 Stunden Zeit totzuschlagen hat. Wie in Cambridge.

Mit einer Schneewarnung im Gepäck - ,,zum Glück" hat es nur genieselt - habe ich mich 2 Stunden in den Bus gesetzt und die weltberühmte Unistadt besucht, die für ihre 120.000 Einwohner sehr klein, noch ruhiger und insgesamt besonders unspektakulär ist. Ich bin fast versucht, zu prophezeien, die Studenten seien nur so gut, weil sie einfach nicht besseres als Lernen zu tun haben ;)
Cambridge ist eine große Steinwüste, die von Kirchen und Unigebäuden dominiert wird (man glaubt wirklich, erschlagen zu werden und kann die Gebäude anfangs kaum auseinander halten). Es gibt Städte, die haben Unis, und dann gibt es Städte, die sind Unis, so wie Cambridge - die vielen Shops drumherum scheinen eher zufälliges Beiwerk. Außerdem ist das Städtchen buchstäblich nahe am Wasser gebaut, denn wo man auch hinsieht, könnte man im nächsten Moment baden gehen: Ob Fluss, Kanal oder sumpfige Parks, jemand mit weniger Glück als ich hätte heute bestimmt einen falschen Schritt gesetzt. Ich muss gestehen, Cambridge ist durch und durch charmant, besonders, wenn einem bei Architektur das Herz aufgeht. Die schläfrig-ruhige Stadt ist besonders abends schön, wenn man am Fluss vorbeiwandert und die Kahnfahrer beobachtet oder die Lichter in den Buntglasfenster der sterbendschönen Kapellen und Hallen sieht. Ich wette, besonders im Sommer verliebt man sich schnell und habe über Oxford gehört, aus der Vogelperspektive sei das Steinlabyrinth plötzlich ein grüner Tempel. Solltet Ihr mal in die Verlegenheit eines Hubschraberflugs dort kommen - machen!!! Ich befürchte aber, dass das Leben dort insgesamt eine Winzigkeit langweilig werden könnte.



In nur wenigen Stunden hatte ich "alles" gesehen,was ich wollte, denn auch bei den Museen gilt "klein, aber fein": Zunächst mal den Botanischen Garten umrundet, der im Winter nicht viel her machte, deshalb habe ich mir das Geld gespart - ist aber sehr hübsch am Kanal gelegen und da blühts im Sommer vermutlich prächtig. * Das Fitzwilliam Museum ist das mit Abstand größte, schönste und beste Museum in Cambridge, gratis versteht sich! Neben Bildern von Rubens, Rossetti & Millais gibt es dort viele andere Bilder, moderne und traditionelle Glas- und Keramikunst, etwa Koreanischer oder Japanischer Art, eine Fächerabteilung, Griechische und Römische Statuen und Ägyptische Sarkophage. Besonders umgehauen hat mich der Empfangsraum am Haupteingang - ich habe ja schon einige Schlösser, Museen und den Royal Pavilion in Brighton besichtigt, aber das heute hat mir die Socken ausgezogen. Mamor, Säulen, aufwändige Glasfenster, Büsten - das Foyer ist ein Overkill der ganz großen Art. Wer in Cambridge nicht hingeht, ist selbst schuld. Nur Fotos durfte ich nicht machen :( * Das University Museum of Zoology, das Whipple Museum of the History of Science, das Sedgwick Museum of Earth Sciences, das University Museum of Archaeology & Anthropology und Scott Polar Institute waren alle kostenlos und echt nicht schlecht, aber leider durchschnittlich 3 Räume groß und damit schnell erledigt. Das Folk Museum war nicht teuer, aber dennoch hab ich es liegen lassen. Das Museum of Classical Archaeology habe ich leider übersehen... klingt aber relativ vielversprechend. * Die Ruskin Gallery zu finden, ist tricky, denn die meisten Studenten wissen nichts von der Existenz der Gallerie auf dem Campus. Hat sich auch nicht gelohnt, hinzugehen, denn die gegenwärtige Ausstellung sieht aus wie Kindergartenbilder. Angeblich gab es vor wenigen Tagen noch eine tolle Ausstellung der Masterstudis. Das Byard Art gegenüber King's College verkauft und zeigt ein paar Kunstwerke, die zwar gut, aber mit bis zu 2500 Pfund meiner Meinung nach zu teuer sind. Die Gallerie Kettle's Yard verdient ihren Namen für die gefühlten 5 Ausstellungsstücke nicht und die Hauptattraktion, ein Haus, war heute für einen privaten Zweck geschlossen - sehr, sehr schade! Die Bilder sehen sehr interessant aus :( Nach Williams Art habe ich vergeblich gesucht, denn es ist nicht auf Schildern abgebildet. Überhaupt ist man in Cambridge gnadenlos der Hilfsbereitschaft der netten Anwohner ausgeliefert, denn ohne die findet man in der Winzstadt fast nichts.

Natürlich habe ich noch viele andere Colleges, die Seufzer- und Mathematikerbrücke mitgenommem. Zum Schmunzeln - eine im Scott Polar Institute ausgestellte Sonde wurde nach Harry Potters "Triwizard Tournament" (Trimagisches Turnier) benannt, ich musse echt lachen.


Fazit: Schön, aber ein Tag reicht vollkommen und noch mal hin muss nicht sein. Meine Begeisterung wurde etwas davon gedämpft, dass ich über eine Stunde in der Eiseskälte auf den verspäteten Bus warten musste...



Dienstag, 19. März 2013
19|3|13 - Wrong Turns & Dead Ends
Den Tag begeistert mit der British Library begonnen, wo zeitgleich irgendwelche Dreharbeiten im Gange waren. Architektonisch ganz cool, aber als Besucher eigentlich nur in einem Aspekt interessant: Der "Treasure Room" mit der Magna Carta, Shakespeare's First Folio (!!!) und der Gutenberg-Bibel. Aber auch andere religiöse Schriften, Handgeschriebenes von Isaac Newton, Charles Darwin, Jane Austen, Beethoven, Mozart, Händel, Königin Elizabeth I. und Heinrich VIII. oder den Beatles waren ehrfürchtig zu bestaunen. Daneben hat man die Möglichkeit, sich von James Joyce, Virginia Wolf und Yeates etwas vorlesen zu lassen oder Ausschnitte aus Jane Eyre, Beowulf und Alice im Wunderland zu hören. Daneben gab es außerdem eine kleine Ausstellung zu Krimis - für mich auch sehr interessant. Mal hingehen und ein Stück Geschichte mitnehmen, Freunde!


Mein Ausflug zum Barbican Centre für Kunst, Film, Musik, Theater & Co. war unerfolgreich, da zeitgleich eine Abschlussfeier stattfand und erst in ein paar Tagen wider eine kostenlose Ausstellung beginnt. Nur gut, dass in der Nähe auch Guildhall mit seiner Kunstgallerie, dem winzigen Uhrenmuseum und einem unterirdischen Amphitheatrer römischer Zeit liegt - das ließ ich mir nicht entgehen.
Natürlich waren heute, wo ich die Wege auf mich genommen und dabei heillos verirrt hab, das Freud-Museum und das Fashion & Textile Museum geschlossen, also Zeit ohne Ende verloren. Für das Old Operating Theatre Museum wollte ich kein Geld verschwenden... alles in allem kein erfolgreicher Tag. Hab mich dafür in der Leake Street nach Straßenkunst umgesehen, King's College fotografiert und bei Sonnenschein zum London Eye emporgeblickt.




Montag, 18. März 2013
18|3|13 - Things I didn't do
Sicher langweilt Euch bereits meine Tirade über das geniale Gratisessen im Büro (heute neben gesponserte Energy-Drinks auch zwei Arten Kekse, Obst, Gruyère-Spinat-Gebäckstangen und gefüllte Schokoeier XD) oder davon, wie ich an Meetings teilgenommen habe, bei denen wir den Gewinn von einem 2-Millionen-Sponsor & Co. gefeiert haben. Daher will ich ein paar Sachen anpreisen, die ich selbst nicht besucht habe oder besuchen werde, aber die Euch womöglich begeistern.

# Leake Street Tunnel. Dort wird Straßenkunst angeregt und zelebriert, ich glaube, das ist ne ziemlich coole Geschichte. Mögt ihr Banksy? Okay, blöde Frage, jeder liebt Banksy. Dann wird Euch diese hochkarätige Kunst sicher zusagen und ich denke, ich werd mir das Geschehen demnächst auch mal gönnen. Angeblich nahe dem London Eye zu finden, aber durchaus versteckt. Ich unterrichte Euch über Neuigkeiten.
# Ripley's Believe it or not!. Direkt am Piccadilly Circus liegt dieses Zentrum des Möglichen und Unmöglichen mit seinem eigenen WTF! Blog (Weird true facts: http://www.ripleys.com/weird/category/daily-dose-of-weird-wtf-blog/), der an NEON erinnert. Das größte aller Ripley-Museum bietet mehr als 500 Ausstellungsstücke und eine große Sammlung von Marilyn-Monroe-Besitztümern. Es scheint das pure Vergnügen zu sein, doch bei knapp 30 Pfund vergeht das Lachen leider schnell. Geht doch lieber um die Ecke zum Trocadero.
# London Canal Museum: Mittelgroßes Museum, für das der Student nur 3 Pfund abdrücken muss, doch mich interessiert es nicht genug, um dafür Geld auszugeben. Fotos sind erlaubt und den Audioguide kann man sich zuvor gratis herunterladen.



Sonntag, 17. März 2013
17|3|13 - St. Patrick's Blues
Alternativer Titel: Time Out Failure (o.Ä.)

Heute morgen mal wieder mit der Universität herumgeschlagen, dann bei Regen los zum Piccadilly, um die St. Patrick's Day Parade zu sehen, also hunderte betrunkener Iren als Kobolde, Kühe, Feen oder "Grün" verkleidet, nebst 36 Meter langem Drachen, dem Schmuckstück der Parade. Das Gesinge in der Tube machte Vorfreude - gut, dass ich mit grünem Lidstrich, grüner Blume im Haar und grünen Ohrringen mein möglichstest beigesteuert hatte. Dachte ich zumindest.

Meine Enttäuschung wird nur von meiner Frustration überschattet, denn die Parade fand ohne mich statt. Time Out London, sonst stets in jedem Londoner Belang empfehlenswert, erklärte "Follow the St Paddy's Day Parade floats and marching band, which starts in Piccadilly at 2pm, then head to Trafalgar Square for a whole load o' craic at the annual festival. " Nur, als ich am Piccadilly stand war ich damit ziemlich alleine (naja, natürlich nicht allein, aber die erwarteten Massen blieben aus). Auf meine Frage hin - und auch andere Leute waren sehr verwundert und erkundigten sich beim Sicherheitspersonal - wurde uns erklärt, die Parade sei schon vor zwei Stunden losgezogen und lange vorbei. Vielleicht bin ich des Englischen ja nicht gut genug mächtig, aber der Werbung hatte ich das "2pm" doch sehr deutlich entnommen. Entsprechend schief hing der Haussegen und auch die "Party" am Trafalgar Square war nicht wirklich das große Highlight. Da ich gestern exakt den selben Aufbau mit Bühne, Leinwand und Zelten schon beim Russischen Festival hatte sehen können, gab es keinen Wow-Effekt. Zwar waren Folkmusik, Bands, Stepptanz und Co. ganz okay, doch dafür im Regen stehen und von allen Seiten geschubst zu werden, brauch ich nicht. Und dabei hatte ich mich monatelang darauf gefreut :(


Da die Zeit nicht für viel mehr reichte, habe ich nur meine Runden durch die National Portrait Gallery gedreht, die zugegeben ziemlich genial ist: Bilder der Royal Family, Shakespeare und anderen Berühmtheiten lassen mal einen ganz faszinierenden Einblick zu. In der Gallery geht es um das dargestellte Subjekt, nicht Künstler oder Malart, und ich kann es jedem nur ans Herzen legen, sich mal die Büsten und Bilder anzusehen. Die Man Ray-Ausstellung war kostenpflichtig, stattdessen habe ich die Marilyn-Monroe-Ausstellung und Leihgaben zu den "Native Americans" aus dem Smithsonian in Washington genossen.



16|3|13 - Save it for a Rainy Day: Singin' in The Rain
Der starke Regen am heutigen Vormittag bot eine exzellente Kulisse für meinen gestressten Endspurt zum Palace Theatre, wo um 10 Uhr die Türen zum Box Office geöffnet und die Day Seats verkauft werden - natürlich gab es schon eine Schlange, aber ich habe es geschafft: Ein Ticket in der ersten Reihe für nur 25 Pfund!!! Zwar Bühnenrand mit leicht eingeschränkter Sicht, aber tausend Mal besser als ein Platz in der hintersten, obersten Reihe für mindestens 37.50. Voller Vorfreude auf "Singin in the Rain" konnte ich also den Tag genießen.

Mögt Ihr Anatomie? Ich bin da etwas sehr sensibel, aber das Huntarian Museum - auch am Lincoln's Inn Fields, wie schon das Soane's Museum - war trotzdem extrem interessant für mich. Man darf keine Fotos machen, hat jedoch daher die Gelegenheit, sich mal mit den ganzen Infos auseinander zu setzen und etwa verschiedenste Skellete (darunter der Irische Riese mit 2.31 m), Organe & Co. von sowohl gesunden als auch deformierten Menschen und Tieren anzusehen. Schon Mal ein Küken mit 4 Beinen entdeckt? Ich jetzt schon :D Die zweite Etage mit den Videos von OPs war für mich natürlich No-Go, doch zwischen all den Exponanten habe ich mich in den seltenen Blauen Morpho (Schmetterling) verliebt. Schmetterlinge sind meine Lieblingstiere und in meinem Leben ist mir noch kein B.M. untergekommen, deshalb war ich umso erstaunter, als ich zufällig den Schmetterling entdeckte - das wollte ich schon immer mal.

Um ins Horniman Museum nach Forest Hill zu kommen, musste ich mich mal wieder mit den Tube-Arbeiten herumquälen, denn nach Forest Hill fuhr keine. Stattdessen also ewig an der Station für einen Ersatzbus warten, der ebenso lange brauchte, um dort anzukommen. Zurück habe ich mir die Tortur der Warterei und Umsteigerei erspart und mich in einen Bus nach Tottenham Court Road gepflanzt, der immerhin nur eine Stunde für den Weg brauchte...
Aber zurück zum Museum: Sehr hübsches Gebäude mit ebenso netter Gartenanlage, nicht allzu groß. Für das winzige (aber coole) Aquarium habe ich 3 Pfund geopfert und mir ansonsten die Ausstellung zu ausgestopften Tieren, Fossilien, Afrikanischer Kultur, Ozean, Museumsgeschichte und Musikinstrumenten angeschaut. Als ich herauskam, wurde ich mit schönstem Sonnenschein belohnt, sodass ich glücklich grinsend durch den Garten pilgerte.


Da ich bis zum Musical noch Zeit totschlagen musste, bin ich erst mal zum Trafalgar Square, denn dort findet eine Russische Festivalwoche inklusive Open Air-Konzert statt, man hat mich prompt mit Shirts und Schlüsselband beschenkt (jetzt brauch ich keins mehr für den Koffer kaufen, Win-Win!). Ein bisschen durchs West End, die National Portrait Gallery und den göttlich nach Schokolade duftenden M&M-Shop gelaufen (Gratisproben!), ehe ich schließlich zum Palace kam. Das Palace ist das mit am Abstand schönste Londoner Theater, das ich bisher von Innen sehen durfte, und die Show hat mich umgeworfen: So nah saß ich noch nie an der Bühne, es ist ein ganz anderes Erlebnis und das Stück war so schön und witzig, die ganze Zeit habe ich entweder gelacht oder zu den 3 m Schauspielern entfernten Schauspielern gestrahlt. Auch die Requisiten (z.B. ein komplettes Flugzeug), Kostüme und vor allem die grandiose Choreographie haben mich umgehauen. Und dann der Regen: Hunderte Liter prasselten bei zweimaliger Darbietung von "Singin in the Rain" auf die vollständig durchweichten Sänger und Tänzer, die großzügig Wasser auf uns Zuschauer verteilten: Ich sage Euch, nassgespritzt zu werden ist die einzig wahre Art, dieses Musical zu erleben, und als wir das Theater verließen, summte so mancher den Titelsong. Sogar, während Arbeiter die Bühne trocken wischten, trugen diese Kostüme und führten mit ihren Mopps ein paar Tänzeleien auf. 100% authentisch.




Freitag, 15. März 2013
15|3|13 - Purple & Pathologists
Das große Fressen! Heute war ein besonderer Tag, wir hatten ein ganztägiges Trainingsseminar für die Freiwilligen, die unsere Forschungsprojekte bewerten - ich habe ein paar ganz außergewöhnliche und nette Menschen kennen gelernt, die alle sehr interessiert waren an meinem Hintergrund. Darunter auch jemand mit Demenz, sodass ich endlich mal all meine Neugier befriedigen und viele Fragen stellen konnte. Unter den Teilnehmern war auch ein cooler älterer Pathologe, der ganz überrascht drein sah, als ich ihm offenbarte, dass ich gar keine Britin bin. Sieg! Habe ich etwa nach drei Wochen meinen Akzent endlich perfektioniert? ;) Er hat mir seine Hilfe bei meinem Demenz-Projekt angeboten und wird vielleicht sogar für nen Tag in Deutschland vorbeischauen (falls ich ihn dazu offiziell einladen würde) - schon wahnsinnig, was man hier für Kontakte schließen kann. Jedenfalls haben die Leute mir am Ende alles Gute gewünscht und waren sich recht sicher, ich würde mal was Großes werden ;) und coole Sachen hatten sie auch zu berichten - wir konnten uns prima über Oxford und die Globe-Aufführung von The Merry Wives: Vielleicht bin ich nicht nur "British@Heart", sondern auch 50. Ich wusste nicht, dass Terry Pratchett Demenz hat, und dass man herauszufinden versucht, welche Demenzform König Lear hatte - wohler könnte ich mich nicht fühlen hier.

Ich muss es erwähnen, damit ihr zumindest schmunzelt: Heute gabs Buffet für die Freiwilligen und uns. Also Sandwiches, Hamburger, Falafel, Wraps, Obstplatten mit Melonen, Erdbeeren und Ananas, Gemüsesticks zum Dippen, Chips, Mandel- und Schokodesserts... on the house, natürlich. Und was übrig blieb, haben wir auch aufgegessen. Dem Himmel so nah *träller*

Mein Chef, es stellt sich heraus, liebt Lila ebenso wie ich! Da ich heute von Kopf bis Fuß in die Farbe gehüllt war (Freunde werden lachen), gebührte mir die Ehre der am Lila-angezogensten Person: Hier ein Kompliment. Ich sollte definitiv in London bleiben.

Heutiges Bonbon aus der Großstadt: Billige Postkarten gesichtet, 13 für einen Pfund zwischen Leicester Square und Palace Theatre, 15 für einen Pfund auf der Oxford Street zwischen Oxford Circus und Photographer's Gallery. Auswahl und Qualität auch okay (besser als bei den Angeboten in Camden). Zuschlagen!
Late at Tate - Freitag Abends hat das Tate nicht nur lange offen, es gibt auch Essen, Musik, Vorträge...



Donnerstag, 14. März 2013
14|3|13 - Elementary, my dear Readers
Den Morgen etwas am Leicester Square verrannt - erst auf der Suche nach den günstigsten Singin in the Rain-Tickets (werde mich wohl Samstag oder ein anderes Mal für einen Day Seat anstellen) und dann verzweifelt nach der Photographer's Gallery gesucht. Laut meinem veralteten Reiseführer hätte man sie nahe der Theaterwelt finden sollen, doch sie ist zur Oxford Street umgezogen.

Die Gallerie war eine ziemliche Enttäuschung. Das von außen groß wirkende Museum bietet nur vier große Räume mit sparsamer Anzahl von Fotos und Fotokunst, die zwar teilweise sehr kultig war, ich aber oftmals nicht lieben lernen konnte (bisweilen habe ich sie wohl auch einfach nicht verstanden). Nur was für absolute Foto-Gurus, die Nelkenzigaretten rauchen und Ahnung haben. Immerhin umsonst.


Nicht umsonst und auch klein, aber oho!: Das Sherlock Holmes Museum, das teilweise unter dem Einfluss der einzigartig guten BBC-Sherlock-Serie steht: Neben dem Museum hat Mrs Hudson jetzt ein kleines Geschäft, das amüsiert den großen 221B-Baker-Street-Fan schon sehr. Die Angestellten tragen Kostüme und auch im stilechten Shop darf fotografiert werden. Für 6 Pfund kann man in dem kleinen Museum auf 4 Stockwerken die ,,Wohnräume" des Meisterdetektivs unter die Lupe nehmen (pun fully intented), ,,Erinnerungsstücke" seiner größten Fälle begutachten oder wird durch lebensechte Wachsfiguren in die Geschichten hineinversetzt. Besonders süß: Briefe, die Kinder und Jugendliche an Sherly geschickt haben, in denen sie ihn um Mithilfe an ausgeklügelten Fällen bitten, ihre Dienste anbieten (,,wenn Du jemals in Amerika Hilfe brauchst, meine Spezialgebiete sind Dinos und Fische") oder vor Moriarty im Schulbus warnen. Das Museum hat eine unglaubliche Liebe zum Detail, in jedem Kamin brennt echtes Feuer, auf dem Esstisch stehen brennende Kerzen... als Fan hatte ich sofort den Wunsch, wieder die Geschichten zu lesen. Must See! In direkter Nachbarschaft auch noch ein Beatles-Shop, wen das nicht überzeugt...


Mein zweiter Versuch, das Geffrye-Musem für Heim & Garten der letzten 400 Jahre zu finden, war zwar nicht minder beschwerlich, aber immerhin von Erfolg gekrönt. Obgleich das Gebäude ein großer Komplex ist, wurde nur das Erdgeschoss der Anlage in ein Museum für Einrichtung verwandelt. Schick ist die hauseigene Kapelle, und ansonsten waren die vielen zeitgenössisch nachgestellten Räume ganz nett, aber nicht weltbewegend. Die Gartenanlagen werden ab dem 1. April öffnen, vielleicht zieht es mich dann nochmals hin.


Uuund ein letztes Museum (für heute XD): Museum of London, wo man die Steinzeit, Römerzeit, Viktorianische und Moderne Zeit in London bis hin zu den letzten Olympischen Spielen verfolgen kann. Gerade gibt es eine Ausstellung, die Michael Caine als Idol feiert. Feine Sache! Das Museum hat eine ganze Viktorianische Einkaufsstraße zum Schlendern geschaffen, man kann sechs Minuten lang den großen Brand miterleben oder darüber schmunzeln, dass in nachgebauten Römerhäusern kleine Requisiten aus dem Jahr 2013 hereingeschummelt wurden.